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Loosdorfer Safran

Schon im Mittelalter rissen sich die Händler aus Venedig und Genua um die „roten Fäden“ und zahlten jeden Preis. Das hat sich bis heute nicht geändert – Safran bleibt das teuerste Gewürz der Welt. Um ein Kilo zu gewinnen, braucht man die Blütennarben von über 100.000 Blüten.

Die Ernte der Narben, der Fäden, erfolgt im Herbst, wenn die violetten, glockigen Blüten des Krokus geöffnet sind. Sie wurden samt den Griffelenden aus der Blüte herausgerissen und auf Haarsieben über glühender Holzkohle oder heißer Asche ganz vorsichtig getrocknet. Erst durch den Trocknungsvorgang bildete sich der eigenartig herbe Geruch.

Aber Safran war und ist nicht nur als Gewürz, sondern auch als intensives Gelbfärbemittel und in der Medizin bekannt gewesen. Der „Loosdorfer Safran“ war eine eigene Marke, die bis nach Hamburg verkauft wurde. Erst 1892 ließ man den letzten Safrangarten hier in Loosdorf, in der Lochau, auf. Auslösend dafür war, dass die äußerst aufwendige Herstellung durch die synthetische Produktion von Färbemitteln und den steigenden Import von vielfach gefälschtem Safran aus den Mittelmeerländern nicht mehr kostendeckend und gewinnbringend war.

Die drei Hauptanbaugebiete des Safran in Niederösterreich waren der „Ravelsbacher Saffran“ um Maissau, der „Donausaffran“ im Tullnerfeld und der „Losdorfer Saffran“, der sich „um Losdorf eine Stunde unter Mölk, von da er sich gegen Süden bis Hirm, gegen Osten bis Sirning, gegen Westen bis über Mölk hinauf zog.“

Autor: Dr. Gerhard Flossmann: Historiker, Heimatforscher und Autor, unterrichtete Geschichte und Geografie an der HTL St. Pölten. 1985 erhielt er den Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich

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